Charakterisierung der Protagonisten

Johann Wilhelm Möbius

Johann Wilhelm Möbius ist einer der zentralen Personen in dem Stück. Er ist ein 40 jähriger Mann (S.30), der sich schon seit 15 Jahren im Irrenhaus befindet. (S. 25) Er wird zunächst als verrückter dargestellt, es stellt sich aber heraus, dass er ein genialer Physiker ist, der ins Irrenhaus flüchtete, um seine Entdeckung zu schützen.
Seinen ersten Auftritt hat Möbius, als ihn seine Ex-Frau mit ihrem neuen Mann und seinen Kindern, besucht. Seine Frau lernte er mit 15 Jahren, als Waisenbub kennen und heiratete sie mit 20. (S. 29) Sie ermöglichte ihm das Abitur, nach welchem er anfing Physik zu studieren und kurz bevor seine Professur in Aussicht stand, wurde er krank. (S.29)
Der hochgradig geniale Wissenschaftler hat phänomenale Entdeckungen gemacht, die die ganze Wissenschaft revolutionieren und denjenigen, die sie kennen, sehr große Macht versprechen wird. Macht, die auch zum töten verwendet werden könnte. Als Wissenschaftler sieht er bei sich einen Großteil der Verantwortung für seine Entdeckungen. Er bezeichnet sich selbst und alle anderen Wissenschaftler als "Bestien", die nicht auf die Menschheit losgelassen werden dürfen. Er meint damit, dass die Menschen noch nicht reif für die Entdeckungen sind, die die Wissenschaft hervorbringt, sie könnten nicht damit umgehen. Er hat Angst, was die Menschen mit dieser Technik anstellen könnten und sorgt sich darum, dass dieses Wissen in die falschen Hände geraten könnte, deshalb ging er freiwillig ins Irrenhaus.
Dadurch will er erreichen, dass keiner seine Entdeckungen ernstnimmt und niemand Nutzen daraus ziehen kann. Er gibt vor, dass seine Einfälle ihm von der Erscheinung König Salomos "zugeflüstert" werden und legt ab und an ein sehr merkwürdiges Verhalten an den Tag, um seiner Verrücktheit Ausdruck zu verleihen. Ein Beispiel ist, dass Möbius seiner Familie einen Tobsuchtsanfall vorspielt, damit sie ihn mit ruhigem Gewissen verlässt. "Meine Familie kann mich nun mit gutem Gewissen vergessen." (S. 37)
Nach dieser human scheinenden Tat, bringt Möbius die Krankenschwester Monika um, die ihm zuvor ihre Liebe gestanden hatte. Der Zuschauer erfährt die Absicht dieses Mordes und auch Möbius eigentlichen Charakter erst im 2. Akt. Er scheint eine Art Märtyrer für die Welt zu sein, ist es aber im Endeffekt doch nicht, da er die Verantwortung auf sich allein nimmt und anstatt die Menschheit zu belehren, die Menschheit hintergeht.
Am Ende wird dies besonders deutlich, da Möbius trotz Flucht ins Irrenhaus, Aufgabe aller geliebten Sachen (Leben, Familie, Monika) und Überzeugung der beiden anderen Physiker von der Realität wieder eingeholt wird: Die Doktorin hat seine Entdeckungen entwendet und will sie nun zum Weltmachtstreben benutzen.
Möbius und seine beiden Kollegen können nichts dagegen tun, da sie Gefangene in Ihrem eigens gewählten Gefängnis sind und so die Chance verpasst haben die Menschheit zu belehren.

Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd

Sie ist zu Anfang des Stückes eine typische Ärztin. Sie ist 55 und bucklig (S. 20) und verhält sich, wie man es von einer Ärztin gewohnt ist. Kümmert sich um Ihre Patienten (beruhigt Einstein indem sie ihn mit dem Klavier begleitet),redet liebevoll über sie (S. 21) und legt Wert auf ihren ärztlichen Ruf. (S. 48)
Ebenfalls kommt sie einem sehr menschlich und nett vor, so hat sie großes Verständnis für Frau Roses neue Heirat und auch dem Abschiednehmen willigt sie großzügig ein, trotz ärztlicher Bedenken. (S. 27)
Allerdings gibt es schon einige Male Andeutungen im Buch, dass nicht alles so in Ordnung ist, mit der Doktorin. So sagt sie schon zu Beginn: "Für wen sich meine Patienten halten, bestimme ich. Ich kenne sie weitaus besser, als sie sich selbst kennen." (S. 21)
Hier ist schon eine Vorrausdeutung auf das Ende des Buches, die man allerdings nur verstehen kann, wenn man das Buch kennt: Sie hat das Spiel der Physiker durchschaut.
Auch der Hinweis auf König Salomo, an den die Doktorin tatsächlich glaubt und nicht wie Möbius nur als Tarnung benutzt, fällt bereits im Laufe des Buches. (S. 50) Doch die Doktorin schafft es immer wieder, in ihre Rolle reinzufinden.
In der letzten Szene fällt jedoch ihre "Maske" und es wird die machtgierige Psychopatin deutlich, die sie eigentlich ist.
Sie hat keine Skrupel, die Forschungsergebnisse für ihre Ziele und zum Verderben der Menschheit zu nutzen.
Durch ihr anfängliches nettes und sympathisches Erscheinen wirkt sie auf einmal, wie eine grausame "Bestie", was auch durch ihre Buckligkeit symbolisiert wird. Es scheint fast so, als sei sie übermenschlich und könnte es mit jedem aufnehmen. Dies ist in der Tat so, sie nimmt es mit der gesamten Menschheit auf und niemand kann sie daran hindern.

Newton/Einstein

Einsteins wirklicher Name ist Joseph Eisler (Entdecker des Eisler-Effekts), der östliche Geheimagent und er ist unter dem Namen Ernst Heinrich Ernesti eingeschrieben. Er gibt vor, sich für Einstein zu halten. Newtons wirklicher Name ist Kilton (Alec Jasper Kilton, der Begründer der Entsprechungslehre), der westliche Geheimagent, im Sanatorium ist er unter dem Namen Herbert Georg Beutler eingeschrieben. Etwas kompliziert ist allerdings seine vorgetäuschte eigene Identitätsempfindung: er gibt vor Newton zu sein, erzählt aber jedem, dass er in Wirklichkeit Einstein sei. Von Frl. Dr. von Zahnd erfährt der Leser (und gleichzeitig auch der Inspektor), dass sich Kilton "in Wirklichkeit" aber doch für den berühmten Physiker Newton hält. Sein äußerliches Erscheinungsbild soll wohl dem des echten Newton gleichen, zumindest nahe kommen, also der Kleidungsstil des 18. Jahrhunderts. Den Mord an den ihnen jeweils zugeteilten Krankenschwestern begehen sie aus der Gefahr heraus, dass diese sie erkannt hätten und ihre Tarnung hätten auffliegen lassen können. Hier handeln sie, wie sie es selbst ausdrücken, auf Befehl. Newtons Auftrag ist es, genauso wie Einsteins, den wahren genialen Physiker Möbius für sich zu gewinnen und ihn für seine Gesellschaft arbeiten zu lassen. Hier steht Newton in direkter Konkurrenz zu Einstein, der seinerseits das östliche Gesellschaftssystem vertritt, Newton ist daher der Repräsentant des westlichen Gesellschaftssystems (in Ahnlehnung an die Ideologie der realen Personen Newton und Einstein). Newtons Auffassung von der moralischen Verpflichtung eines Wissenschaftlers ist dessen vollkommene Freiheit, also die vollkommene Enthebung von der Verantwortung des Wissenschaftlers und seinen Erkenntnissen gegenüber der Menschheit. Diese trägt seiner Auffassung nach die Verantwortung für die Behandlung seiner Erkenntnisse und die Folgen. Einsteins moralische Auffassung dagegen ist es, die Physik im Namen der Machtpolitik eines bestimmten Landes zu verpflichten.

Richard Voß

Der Kriminalinspektor ist beauftragt, die beiden Morde (innerhalb von 3 Monaten) aufzuklären. Der Tathergang erfolgt auf den Fuß, aber Voß kann nichts unternehmen, da diese ja von Irren ausgeführt worden sind und diese ohnehin schon im Irrenhaus hinter Gittern eingesperrt sind. Er ersetzt das weibliche Personal durch ehemalige Boxweltmeister (das ist alles, was er tun kann). Der Inspektor ist die Person, welche die Handlung vorantreibt, auch wenn er auf die Ereignisse selbst keinen Einfluss hat.




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