Konzeption des Zufalls unter Berücksichtigung der Physiker

Der Zufall als eine dem Wissen und Können des Protagonisten bestimmende Schicksalsmacht beruht auf folgendem Schema: Der Protagonist: Der positive Held, der allein für die Welt steht. Die Handlung: Der Plan, den der Protagonist mit allen Konsequenzen rational durchführen will, scheitert an einem nicht abzusehenden Zufall. Komik der Handlung: Entstanden durch das Scheitern des Helden, der den Zufall in seinem Denkschema nicht berücksichtigt, und durch ihn zu Fall gebracht wird.
Die Begegnung mit der Paradoxie erfolgt für den Zuschauer durch Konfrontation mit der schlimmstmöglichen Wendung.
Der in "Die Physiker" auftauchende dramatische Zufall ist im Gegensatz zum realen Zufall geplant, die Spielwelt kontrastiert durch ihn zur realen Welt. Der Zufall ist Ausgang der Handlung (die Möbiussche Entdeckung der Weltformel) und führt schließlich zu ihrer Aufhebung.
Die Planmäßigkeit Möbius' Spiels wird vom Zufall ad absurdum geführt, ist nur eine subjektive Täuschung, da die Entscheidung dazu von Anfang an auf falschen Voraussetzungen beruht. In dem Sanatorium, seinem Zufluchtsort, dem Symbol seiner Entscheidung, haben sich die zwei anderen Physiker, die durch Zufall (!) seine Dissertation gelesen haben eingeschlichen. Möbius Handlungsfreiheit ist also von Anfang an bedroht, wovon der Leser aber zu beginn nichts ahnt, später nach der scheinbaren Auflösung der Situation, der Überzeugung der Physiker, wird deren Handlungsfreiheit aber definitiv zerstört.
Möbius scheitert letztendlich am Rettungsversuch selbst, obwohl er diesen konsequent durchzieht, sogar die, in ihn verliebte Krankenschwester tötet, dadurch dem Schicksal in die Hände spielt. Die schlimmstmögliche Wendung ist damit Wirklichkeit geworden. Der Zufall soll den Zuschauer dazu bringen, durch das Nichtkalkulierbare, Überraschende, seinen Erfahrungshorizont zu überdenken. Der Zufall wird in "Die Physiker" nicht angewendet, um die irrationale Welt zu symbolisieren, sondern als Wirklichkeitsfaktor, den Zufall als Möglichkeitsbegriff verstehend.




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